Sexuelle Identität, sexuelle Attraktion und sexuelles Verhalten – Dimensionen sexueller Orientierungen in der Survey-Forschung

Abstract

Einleitung: Nach aktueller Forschungslage empfiehlt sich die Erfassung der Vielfältigkeit sexueller Orientierungen über die Dimensionen sexuelle Identität, sexuelle Attraktion und sexuelles Verhalten, zumal empirische Studien zeigen, dass für einen Anteil von Personen die Dimensionen nicht kongruent (übereinstimmend) beantwortet werden. Bei der Interpretation von Forschungsergebnissen muss daher die Operationalisierung von sexuellen Orientierungen berücksichtigt werden.

Forschungsziele: Ziel der Studie ist es, anhand einer deutschen Stichprobe verschiedene Muster der drei Dimensionen sexueller Orientierungen bei Männern und Frauen zu verdeutlichen.

Methoden: Es wurden anhand der Daten von 498 Männern und 481 Frauen mit heterosexueller, bisexueller und homosexueller Identität Muster kongruenter (übereinstimmender) und inkongruenter (nicht übereinstimmender) Angaben zu den Dimensionen sexueller Orientierungen analysiert.

Ergebnisse: Ein Großteil der Männer (94.9 %) und Frauen (95.8 %) machte kongruente Angaben in den drei Dimensionen sexueller Orientierungen. Personen mit bisexueller Identität zeigten am häufigsten nicht übereinstimmende Antwortmuster bzw. Inkongruenzen (Männer: 100 %, Frauen: 90.0 %). Kongruente homosexuelle Orientierungen waren häufig mit einer Variabilität innerhalb der drei Dimensionen verbunden, die auch nur vorwiegend gleichgeschlechtliche sexuelle Attraktion und sexuelles Verhalten beinhalten kann (Männer: 60.0 %, Frauen: 87.5 %), während kongruente heterosexuelle Orientierungen öfter als ausschließliche Bezogenheit auf das andere Geschlecht beschrieben wurden (Männer: 89.2 %, Frauen: 78.0 %).

Schlussfolgerung: Im Vergleich zu Personen mit heterosexueller Identität zeigte sich bei Männern und Frauen mit homosexueller Identität eine größere Variabilität zwischen sexueller Identität und Attraktion und/oder zwischen sexueller Identität und Verhalten. Limitationen quantitativer Forschung hinsichtlich der Abbildung der Komplexität der menschlichen Sexualität sind kritisch zu diskutieren.

Bibliografische Daten

OriginalspracheDeutsch
ISSN0932-8114
StatusVeröffentlicht - 09.2018